Die Rheinische Mission in Südafrika und Namibia

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Bitte beachten Sie, dass dieses nicht die offizielle Webseite der Rheinischen Mission noch ihrer Nachfolgeorganisation, der Vereinigten Evangelischen Mission ist. Der Autor repräsentiert diese Gesellschaften weder direkt noch indirekt.


Die Anfänge der Rheinischen Mission

Am Pfingstmontag 1799 wurde in Elberfeld eine kleine Missionsgesellschaft gegründet. Von Anfang an war sie bewusst ökomenisch ausgerichtet - reformierte und lutherische Pastoren wirkten nebeneinander in der Gesellschaft. Es bestand auch eine enge Zusammenarbeit mit englischen und holländischen Missionsgesellschaften und man sammelte kräftig für Pastor Jänickes Missionsseminar in Berlin und schickte ihm auch Seminaristen.

Auf der Elberfeld gegenüberliegenden Seite der Wupper lag damals die Stadt Barmen (heute gehören beide zur Stadt Wuppertal). In Barmen entstand am 8. September 1818 ein Hilfsverein der Baseler Mission unter der Leitung von Hilfsprediger Wilhelm Leipoldt. Zuerst wurden die Missionarsanwärter zur Ausbildung nach Basel geschickt, nachdem sie eine Vorschule in Barmen besucht hatten. Von 1825 an wurde diese Schule aber zu einem eigenständigen Seminar ausgebaut, weil die Baseler Mission nicht alle Interessenten aus Barmen aufnehmen konnte.

1828 standen die ersten Missionare kurz vor dem Ende ihrer Ausbildung, aber wohin sollte man sie schicken und wie sollte ihre Arbeit finanziert werden? Am 23. September 1828 schlossen sich die Missionsvereine aus Elberfeld, Barmen und Köln zur Rheinischen Mission zusammen, die später zur größten deutschen Missionsgesellschaft werden sollte.

Südafrika und Namibia

Die ersten Missionare wurden Ende 1828 nach Südafrika geschickt. Die Londoner Missionsgesellschaft, mit der über Pastor Jänicke aus Berlin eine gute Beziehung bestand, war dort schon lange tätig und wollte beim ersten Einstieg helfen. Auch wegen der kapholländischen Sprache und der evangelisch ausgerichteten Regierung erhoffte man sich einen guten Einstieg. Zu Anfang halfen die rheinischen Missionare auf den Missionsstationen der Londoner Mission mit, aber sehr bald wurden eigene Stationen gegründet. Die erste war die Station Wuppertal - die schon 1829 gegründet wurde und somit fast 100 Jahre länger diesen Namen trägt als die Stadt Wuppertal in Deutschland.

Sehr bald breitete sich das Arbeitsgebiet über die Grenzen der Kapkolonie hinweg nach Norden hin aus. Es war ein nur dünn besiedeltes Gebiet, das wegen der Trockenheit und Armut des Landes von den damaligen Kolonialmächten unbeansprucht gelassen worden war. Aber der Einfluss der Europäer am Kap machte sich auch hier schon - oft negativ - bemerkbar. Die ansässigen Stämme wie die Herero und die Damara wurden von den aus der Kap hochrückenden Nama und Mischlingsgruppen verdrängt und es gab viele Kriege zwischen den einzelnen Gruppen. Die Missionare versuchten, soweit sie es konnten, zwischen den Gruppen zu vermitteln, und waren aus rein politischen Gründen oft gern gesehen. Aber wer schon einmal in Namibia war, der kann nachvollziehen wie schwierig ein Anfang für die Missionare gewesen sein muss, wie gross die Entfernungen sind und wie unherbergsam viele Gegenden sind. Trotzdem haben die rheinischen Missionare viel geleistet und viele für Christus gewonnen.

Hier finden Sie eine noch unvollständige Liste der rheinischen Missionare und Mitarbeiter die über die Jahre in Südafrika und Namibia gearbeitet haben. Und hier können Sie die Briefe von Johann Gerdener, einem Missionaren aus Hollich, an seine Familie in Deutschland lesen.

Aber die Rheinische Mission war es auch die mit den Anstoss gab, dass das unbesetzte Gebiet nördlich von der Kapkolonie eine der ersten Kolonien des neuen Deutschen Reiches wurde. Die Kolonie 'Deutsch Südwestafrika' wurde 1880 unter deutsche 'Schutzherrschaft' gestellt. Die Deutschen, als relativ unerfahrene Kolonialmacht, haben leider nicht immer eine gute Hand mit ihren Kolonien gehabt - der Hererokrieg (1904-1907), einer der dunkelsten Flecken in der ganzen deutschen Kolonialgeschichte trug sich im damaligen 'Deutsch Südwest' zu. Manche Missionare haben auch in dieser Zeit oft versucht zu vermitteln, wo sie konnten, aber dafür haben andere die kolonialen Interessen vertreten und leider nicht immer im Interesse der einheimischen Bevölkerung gearbeitet.

Andere Gebiete

Außer in Südafrika und Namibia war die Rheinische Mission auch in anderen Gebieten tätig. An erster Stelle muss das heutige Indonesien erwähnt werden: auf den Inseln Borneo, Sumatra, Nias, Mentawei und Enggano sind jeweils eigene Arbeitsfelder entstanden. Weiterhin war die Mission in China (in und um Hong Kong) und in Papua Neu Ginea tätig. Viele Missionare beendeten ihre Laufbahn als Pastoren der deutschen Gemeinden in Nordamerika - nachdem eine anfangs geplant Missionsarbeit unter den 'Indianern' nicht zustande kam.

Die Rheinische Mission im 20. Jahrhundert und bis heute

Im 20. Jahrhundert wurde die Arbeit der Rheinischen Mission aus Südafrika hinaus verlagert. Die rheinischen Missionsgemeinden wurden größtenteils in die Niederländisch-reformierte Kirche integriert. Nur Wuppertal wurde an die Herrnhuter Mission abgegeben und gehört heute zur Moravian Church. In Namibia hat die rheinische Mission, trotz des Verlusts der deutschen Kolonien 1918, auch während des 20. Jahrhunderts noch weiter gewirkt. Aus der rheinischen Mission sind zwei der drei großen lutherischen Kirchen Namibias hervorgegangen: die ELKiN (DELK) und die ELKRiN.

Die Weltkriege, und auch die schweren Jahre zwischen den Weltkriegen, haben für die Rheinische Mission viele Schwierigkeiten und Verluste mit sich gebracht. Während des 3. Reiches hat sich die Rheinische Mission von der Bewegung der 'Deutschen Christen' distanziert und mit den anderen evangelischen Missionen eine Eingliederung in die 'Reichskirche' abgelehnt. Stattdessen entstand eine Bindung an die Bekennende Kirche. Dadurch, und durch die generelle anti-christliche Einstellung der Nationalsozialisten, die Spannungen innerhalb der Mission, war die Arbeit auch schon vor Beginn des 2. Weltkrieges sehr behindert worden. Durch den Weltkrieg und den anschliessenden Zusammenbruch in Deutschland, wurde die Arbeit grundlegend erschüttert.

1971 hat sich die Rheinische Mission mit der Bethel Mission zur Vereinigten Evangelischen Mission zusammengeschlossen. Durch die vom 2. Weltkrieg bedingte Selbsthinterfragung war man generell vorsichtiger geworden, vor allem was die Missionierung fremder Kulturen angeht. Die Vereinigte Evangelische Mission betohnt daher heute ihre Partnerschaft mit den selbständigen Kirchen die durch die Missionsarbeit entstanden sind. An die Stelle einer einseitigen Missionsarbeit ist ein Austausch zwischen den Kirchen, den Kulturen und den Ländern getreten.


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